Meckenbeurer „Frauenbande“ überzeugt beim Auftritt in Friedrichshafen

Für einen rappelvollen Ludwig-Dürr-Saal hat am Sonntagabend der Auftritt der Meckenbeurer „Frauenbande“ samt Projektsängerinnen unter der Leitung von Jürgen Jakob gesorgt. Und das nach zwei ausverkauften Auftritten im Kulturschuppen am Gleis 1 in Meckenbeuren.

Ungewöhnlich ist ohnedies, dass ein zwar nicht ortsferner, aber doch ortsfremder Chor schon vier Tage vorher restlos ausgebucht ist. Ein letzter Hinweis in der Zeitung dürfte noch dafür gesorgt haben, dass gar nicht alle Einlass fanden.

Es wird sich schnell herumsprechen, dass diese Frauenpower unter Jürgen Jakob ein absoluter Hit ist. Klar, das Thema war „Frauenbande Meets Musical“ und Musical zieht immer. Doch wenn Agenturen gerade um die Weihnachtszeit mit „Best of Musical“-Events vollmundig Bühnenstars versprechen, wird der große Saal im Graf-Zeppelin-Haus längst nicht mehr voll. Was kann da ein „Provinzchor“ gegenüber einer mit internationalen Stars bestückten Gala-Truppe bieten: einen absolut überwältigenden Abend, so mitreißend, dass man nur noch staunen und sich freuen konnte.

Das war wirklich Frauenpower, auch noch nach zwei Stunden. Bei den Zugaben hatte man das Gefühl, dass die knapp 60 Frauen auf der Bühne noch längst nicht ausgepowert waren. Gerne stehen Laienchöre etwas steif auf der Bühne, von Gospelchören einmal abgesehen. Hier aber war von Anfang an Bewegung drin, eine lebendige, schwingende Choreografie. Mal wurden farbige Tücher geschwenkt, mal wurde Frau um Frau einer Schnellbehandlung durch eine „Starfriseurin“ unterzogen: etwas Haarspray, eine süffisante Bemerkung, auf ein „na ja“ reduziert. Und dann legten sie los, natürlich mit Songs aus „Hair“, voller Power, dabei sehr sauber artikuliert. Wie denn überhaupt die unterschiedlichsten Stimmungen sehr präzise herausgearbeitet waren, ob märchenhaft wie im „Wizard of Oz“ oder gruselig wie im „Phantom der Oper“. Mühelos flott kamen die Songs von der Bühne. Klar, dass die Chemie zwischen Dirigent – Jürgen Jakob vom Flügel aus – und Chor bestens stimmte.

Solisten beeindrucken

Doch damit nicht genug. Absolut überraschend war, wie einzelne Frauen aus dem Chor nach Bedarf ans Mikro traten und so professionelle solistische Qualitäten zeigten, wie man sie bei den eingangs erwähnten Tourneegastspielen längst nicht immer erwarten kann. Unglaublich, was hier zustande kam. Die spielerische Freude war den Sängerinnen ins Gesicht geschrieben, auch wenn’s mal hinter einer Maske versteckt war. Was für ein Miauen und Maunzen, als eine Schar herrlich hergerichteter Katzen durch den Gang zog, wo sie ihre Pfoten ausstreckend klarmachten, wer hier das Singen hat, und dann erst recht als „Cats“ auf der Bühne. Viele Musicals wurden gestreift und ein Hit jagte den nächsten, auch Nachdenkliches wie der programmatische Song „Ich gehör nur mir“ aus „Elisabeth“.

Sehr anspruchsvoll waren dazwischen die Sinfonischen Tänze aus der „Westside Story“ mit Jürgen Jakob und Helge Herr am Piano und Stefan Lohr am Schlagzeug. Schön, dass im Programmflyer die einzelnen Szenen skizziert waren. Zu erwähnen ist noch die gelungene, abwechslungsreiche Lichtregie.

Alles in allem ein außergewöhnlicher Abend, so packend wie selten erlebt, und das alles mit einheimischen Kräften. Nicht zu glauben, was hier in der sogenannten Provinz drinsteckt. Dank an die „Frauenbande“ des Gesangsvereins Harmonia Meckenbeuren und die Projektsängerinnen, Dank an ihren Leiter Jürgen Jakob.