Premiere beim Männerchor Alttann mit 400 begeisterten Zuhörern

Es war eine gelungene Premiere für die diesjährigen fröhlichen Sängerabende des Liederkranzes Alttann. Die Festhalle Wolfegg war am vergangenen Samstag wieder vollbesetzt und die Sänger des Liederkranzes Alttann, die landauf landab nur als Männerchor Alttann bekannt sind, boten ein abwechslungsreiches Programm. Solos, Duette, Trios, Tanz, eine humorige Moderation und vor allem ausgereifter Chorgesang ließen den Abend im Fluge vergehen.

Das Motto „So schön war die Zeit“ legte die thematische Liedauswahl auf die 50-er und 60-er Jahre, als das Nachkriegsdeutschland geprägt war von Flüchtlingsströmen, Wirtschaftswunder und aufkommender Reiselust. Mit Liedern von Heimweh und Sehnsucht nach verlorenen Freundschaften begann die musikalische Reise, die stark durch Freddy Quinn geprägt war. Johannes Osswald überzeugte als Solist mit dem Titel „Heimatlos“. Für den Chor hingegen gab es eine ansprechende Chorsatzvariante des Stückes „Heimweh“, das vor allem durch den sich stetig wiederholenden Hintergrundchor „…so schön, schön war die Zeit“ im kollektiven Gedächtnis verankert ist. Dort finden sich auch Stücke wie „Wochenend und Sonnenschein“ oder „Rote Rosen, rote Lippen, roter Wein“, die vom beginnenden Aufschwung und beginnender Freizeitgestaltung zeugen. Neben den deutschsprachigen Schlagern gewinnt musikalisch aber auch der aus Amerika kommende Rock´n Roll zunehmend an Raum. In die mit alten Radios, Schellackplatten und Motorollern liebevoll dekorierte Halle, passten die Jive-Vorführungen der Jugendformation des Tanzsportclubs Wangen. Flotte Schritte, verschiedene Hebefiguren und die gepunkteten Röcke der Damen bildeten ein stimmiges Erlebnis, das wunderbar mit der gemalten Bühnendekoration von Maria Schad harmonierte.

Ihr Mann Peter Schad leitet nicht nur den Chor als Dirigent, sondern er informierte an diesem Abend auch über das Programm, gab aber auch gleichzeitig darauf acht, dass der Humor mit Witzen, Reimen und Anekdoten nicht zu kurz kam. Operetten waren laut Schad in den 50-er noch eine gerne gehörte Musikgattung. Mit dem Stück „Schwarzwaldfahrt“ von Horst Jankowski wurde der Operettenverfilmung des Schwarzwaldmädels die musikalische Aufwartung gemacht. Bei der wohlklingenden Präsentation der Urlaubsregion Schwarzwald setzten unweigerlich gedankliche Reisevorbereitungen ein, ähnlich wie es auch schon bei den bereits gehörten Italienschlagern der Fall war. Weitere bemerkenswerte Stücke aus dieser Ära waren die „Capri Fischer“, eine deutsche Fassung von „Spanish Eyes“ und der Kriminaltango. 23 tiefe Männerstimmen und eine schummrig, rote Bühnenbeleuchtung sorgten für ein bisschen Gänsehautstimmung.

(von links): Erwin Ströhle, Dieter Hoh, OCV-Geschäftsführer Eugen Kienzler, Egon Gaidzik, Chorleiter Peter Schad, Pianist Franz Ott, Meinrad Kible, Vorsitzender Karl Motz.

Mit den Beatles erlebten die 60-er Jahre eine musikalische Revolution. Legendär der Hit „Yesterday“, der von Bruno Häfele und Kuno Reichle in doppelter John Lennon Besetzung präsentiert wurde. Während sich Häfele an das englische Original hielt, hatte Reichle keinerlei Skrupel, eine urschwäbische Variante mit dem Refrain „Jesses nei, rutsch I aus und fliag in a Dräglach nei“ zu präsentieren. Das Publikum war restlos begeistert; genauso aber auch beim Auftritt des Trios mit Johannes Osswald, Jürgen Weber und Stefan Weber, die als die drei von der Tankstelle mit „Ein Freund, ein guter Freund“ auf der Bühne standen. Ein bisschen aus der Zeit gefallen war die musikalische Moritat über die tanzende „O donna Clara“ die von Herbert Sonntag humorig präsentiert wurde. Bereits mit Blick auf die 70-er Jahre sang Walter Appenmaier mit seiner schönen, volumigen Bassstimme das Hannes Wader Stück „Heute hier morgen dort“. Neuland beim fröhlichen Sängerabend bestritt man mit dem Auftritt einer Band, die sich aus den Chormitgliedern Franz Ott (keyboard), Josef Matheis (bass) und dem Schlagzeuger Lukas Schad rekrutierte. Im Stil gepflegter Kaffeehausmusik präsentierten sie ein Potpourri mit Liedern aus einer Zeit, die als schön in Erinnerung bleibt.

Dietmar Hermanutz SZ  4.112019.